Frankfurter Allgemeine Zeitung :: Ausgabe 21. Mai 2008
"Ich tanze also bin ich, "Alma Virtual" im Gallus Theater Frankfurt"

Auf der Leinwand blubbert ein Spiegelei, das aber auch ein gigantischer Planet sein könnte. Die gleichermaßen abstrakte wie körperliche Form verflüssigt sich und verdampft und wird wieder fest,bis, begleitet von dröhnenden Signaltönen, Körper über Treppen kulern, Hochhäuser und Bäume rotieren, im Wechsel von Zeitlupen und Überblendungen alle vertrauten Gegentände in einer gemeinsamen Bewegung ihrer Funktion enthoben sind. Da setzt sich der Tanz fort im Raum vor der Projektionsfläche, wo drei Lichtschranken dei Ebenen markieren und erst eine, dann zwei weitere Personen sich expressiv in Szene setzen.
Fernanda Pinto, eigentlich ist sie Friseurin und betreibt den Friseurladen "Schamlos", agiert in Frankfurt immer wieder als Produzentin oder Veranstalterin von Performance - Abenden. Diesmal hat sie mit der als "BewegungsArtFM" firmierenden Truppe die Performance "Alma virtual" als Drama dreier in ihren Körpern gefesselter Seelen choreographiert. Wie das Bild hat dabei auch der Soundtrack stets mehrere Ebenen - mal mit einem dumpfen Wummern im Hintergrund und metallischen Intervallen davor, mal mit einer Grundierung aussummenden Saiten und der Akzentuierung aus klimpernder Percusion.
Streng geometrisch fragmentierten Bühnenraum des Frankfurter Gallus Theaters sind die Menschen nur noch der bewegliche Teil einer Installation. Der Tanz, der aus ebenso disziplinierten wie kapriziösen odenübungen besteht, wird dabei zelebriert als eine Art körperliche Selbstvergewisserung - analog zu Descartes`" Cogito ergo sum". Der Zuschauer muss zuweilen selbst die dritte Ebene dieses interdisziplinären Spiels sein.


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